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Padovani

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Es gibt Drinks, welche zutatenmässig, im Vergleich zu anderen Cocktails, geradzu bestechend simpel sind. Das heisst nicht, dass sie einfach herzustellen sind oder, dass sie einfach/eindimensional schmecken. Richtig gemacht, ist das Gegenteil der Fall, den gerade die Beschränkung auf wenige Zutaten lässt der Grundspirituose besonders viel Platz zur Entfaltung und erlaubt es dem Gaumen Unterschiede zwischen den verschiedenen Produkten einfacher zu unterscheiden
Der Gin-Tonic ist ein bekannter Vertreter dieser Gattung und wird von vielen Leuten verwenden, um verschiedene Gins im Cocktail kennenzulernnen.
Die Zutaten dafür: Gin und Tonic Water.

Kommen wir nun aber zum Kern dieses Beitrags: Der Padovani.
Den Padovani entdeckte ich das erste Mal im Diffords Guide #7. Benannt ist dieser Drink nach Xavier Padovani, einem der Traveling Mixologists und Brand Ambassador von Hendrik’s Gin.

Padovani

Padovani

Im Originalrezept wird nach gleichen Teilen Scotch Whisky und St. Germain Elderflower Liquor. Als Garnitur wird eine Zitronenzeste vorgeschlagen.
Wie bei fast allen Rezepten, welche Scotch Whisky verlangen, wird nicht spezifiert welche Art man damit meint. Passt ein fruchtiger Malt, ein süsser oder gar ein Rauchiger? Im Difford’s Guide wurden alle Scotch Rezepte mit Famous Grouse Blend gemacht.

Das Rezept liest sich zwar sehr interessant, aber das Verhältnis 1:1 lässt dem Whisky in den meisten Fällen fast keine Chance. Ich persönlich finde, dass ein Verhältnis von 4:1 (Whisky:Likör) ein sehr geeignetes Grundrezept ist. Je nach Whisky kann man den Liköranteil erhöhen oder veringern.
Eine Garnitur würde ich weglassen.

Ebenso ersetze ich den Blended Scotch durch Single Malt, was einige Puristen jetzt wahrscheinlich gequält aufstöhnen lassen wird. Aber es muss ja nicht der Nonplusultra Malt für 300 CHF sein.
Es funktioniert auch nicht mit jedem Whisky. Gerade filigrane Whiskys würde ich nicht vermixen, da man hier den Liköranteil so weit reduzieren muss, bis man den Whisky auch pur trinken könnte.

Sehr gut funktioniert der Old Pulteney 12y, für wenig Geld bekommt man hier einen wunderschönen Malt, den ich bereits einmal vorgestellt habe. Im Padovani glänzt er vor allem mit einer schönen Bananennote.  Allgemein gilt: fruchtige Whiskys funktionieren relativ gut.
Auch sherrybetonte Whisky wie ein Mortlach 16 oder ein Bowmore 15 darkest, der auch noch schöne Rauchnoten mit sich bringt, funktionieren hier und ergeben ein eher spezielles Gesamtergebnis. Man sollte sich aber bewusst sein, dass der Sherry bei weitem nicht so präsent sein wird, wie beim Purgenuss. Ich hatte das Gefühl, dass die Sherrynoten besonders empfindlich sind.

Wer jetzt glaubt, dass rauchige Whiskys hier nicht funktionieren (wie ich es zu Beginn tat), täuscht sich gewaltig. Ein Smokehead (was der genau drin hat, weiss ja niemand so genau) macht einen wunderbar rauchigen Padovani, der vom Holunderblütenlikör unterstützt wird. Aber auch ein Laphroaig oder ein Ardbeg werden funktionieren. Laphroaig 10y gehört für mich zu den besten Standardabfüllung.

Wer gerne etwas schweizerisch bleibt, greift zu einem Säntis Single Malt. Hier ist aber Vorsicht mit dem Holunderblütenlikör geboten, da der Whisky (in Bierfässern ausgebaut) selbst schon sehr süss daherkommt.

Obige Whiskys sind natürlich nur Vorschläge, testet einfach selbst.

Hier das Rezept wie ich einen Padovani mache.

  • 4cl Whisky
  • 1cl St. Germain Elderflower Liquor

Im Tumbler aufbauen und verrühren. Prost!

P.S.
St Germain Likör gibt es bei ullrich.ch oder bei Jelmoli

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Besuch der Holle Destillerie, Lauwil

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Wenn man kurz nach Aarau auf die A2 fährt und Richtung Dietgen wieder verlässt, über beinahe Pass artige Strassen fährt und die Stossdämpfer Wege überlebt haben, dessen Vibrationen man zum Cocktails shaken benutzen könnte, erreicht man das kleine 350-Seelendorf Lauwil im Kanton Basel-Landschaft. Wunderschön eingebettet in grüne Berge und Wälder . Gleich am Dorfanfang zweigt eine kleine Strasse nach rechts ab und führt zum Bauernhof der Familie Bader, welcher gleichzeitig auch der Herstellungsort des ersten Single Malt der Schweiz ist, dem Holle Single Malt.

Als ich beim Hof vorfuhr, wurde ich bereits von Herrn und Frau Bader erwartet und ohne gross um den heissen Brei herumzureden ging es sofort los mit einer Führung durch den Betrieb. Los ging es in der eigentlichen Destillerie, welche sich im ehemaligen Kuhstall des Bauernhofs befindet.

Eine Sache von Generationen

Ernst Bader inmitten seines Single Malts

Der Bauernhof wird schon seit Generationen als Familienbetrieb geführt und beinahe ebenso lange währt die Brau- und Brenntradition dieses Hofes. Man produzierte sowohl ein eigenes Bier als auch verschiedene Obstbrände, welche in zwei Destillen produziert wurden, die sich im heutigen Verkaufsraum befanden.

Als 1999 das aus dem 1. Weltkrieg stammenden Gesetz, welches verbot Alkohol aus Grundnahrungsmitteln zu destillieren, fiel, war Ernst Bader, der erste der die Change ergriff und begann Single Malt zu produzieren. Bereits am 1. Juli 1999 floss der erste Whisky aus der Brennerei.

Interessant ist, dass Ernst Bader vor der Inbetriebnahme der Destillerie, noch nie einen Whisky getrunken hatte. Sein gesamtes Wissen um diese Spirituose bezog er aus dem Studium von Büchern. Erst am 1. Juli, dem Tag der Premiere, schenkte ihm seine Tochter einen Glenfiddich 12y. Seine erste Erfahrung mit schottischem Whisky.

Destillieren und Lagern

Destille

Die Destillerie befindet sich in einem ehemaligen Kuhstall

Anders als in Schottland kommt hier keine Pot-Still Destille, sondern einen sogenannte Kolonnendestille der Marke Holstein zum Einsatz, mit welcher neben Whisky auch gleichzeitig Obstbrände destilliert werden. Die Destille fasst ca. 200 Liter und pro Tag können in etwa 1000 Liter Whisky gebrannt werden, wie mir Ernst Bader erklärt.
Geheizt wird die Destille per Wasserdampf, welcher gleich unterhalb des Brennkessels durch Holzfeuer erhitzt wird.
Der Whisky wird wie irische Whiskies oder einige wenige Schottische dreifach destilliert, dies geschieht hier aber, bedingt durch die Bauweise der Destille in einem Schritt, statt in mehreren, wie es beim Pot Still Verfahren der Fall ist.

Neben der Destille befindet sich der sogenannte Mash-Tun oder Maischbottich, in welchem das Malz gemaischt wird, welches Ernst Bader aus Deutschland bezieht. Neben „normalen“ Malz, setzt er auch Rauchmalz ein, welches einen leicht rauchigen Whisky ergibt.
Der New Make sprudelt dann mit etwa 65-70% aus der Destillerie und wird dann im hauseigenen Lager gelagert und primär in Weiss- oder Rotweinfässern ausgebaut.
Seit einiger Zeit experimentiert Ernst Bader ebenfalls mit Bourbon- sowie neuen Fässern aus amerikanischer Eiche.

Da sich die Destillierie weit südlicher und höher (fast doppelt zu hoch) über Meer als jede Destillerie Schottlands befindet und das Klima dementsprechend anders ist, beträgt der sogenannte Angel’s Share, der Teil, welcher verdunstet, auch mehr, nämlich bis zu 4% pro Jahr (im Vergleich dazu: Schottland ca. 2%).
Dies ist eine nicht unerhebliche Menge an wertvollem Lebenswasser, die da einfach an der Luft verpufft.

Warenlager inklusive "Angel's Share"

Das Lager fasst mittlerweile beinahe 100 Fässern, die meisten davon Rot-und Weissweinfässer aus dem Burgund. In der Mitte des Raumes befindet sich ein kleiner Luftbefeuchter. Dieser sei nötig, weil die Fässer, klimabedingt, immer wieder mal undicht werden und durch die Feuchte wieder „geschlossen“ werden können, wie mir Herr Bader erklärt.

Nach dieser Besichtigung war es Zeit das eigentliche Warehouse zu besuchen, welches sich unterhalb des alten Bauernhauses befindet und über in Stein gehauene Treppenstufen erreichbar ist. Auch wenn dieser Keller im Vergleich zu schottischen Destillieren gerade zu winzig ist, strahlt er doch einen unheimlichen Charme aus, dem man sich kaum entziehen kann. Spätestens hier merkt man, dass Ernst Bader mit ganzem Herzen Brenner ist und selbst viel Spass an seinen Produkte und deren Herstellung hat.

innovativ

Nach den ersten Erfolgen mit seinem ersten Whisky, begann Ernst Bader zu experimentieren und seine Produktpalette auszubauen. Er war halt schon immer risiko- und experimentierfreudig, wie er mir erzählt.

Mittlerweile bietet die Destillerie eine breite Palette an verschiedenen Whiskys an. Neben den bereits erwähnten Rot- und/oder Weisswein Abfüllungen, finden sich auch Abfüllungen welche eine Alterung in neuer amerikanischer Eiche durchlaufen haben. Neben der in der Whisky-Produktion üblichen Gerste, findet man auch einen sehr milden Grain (Weizen) Whisky im Portfolio. Selbst ein dezent rauchiger Single Malt fehlt nicht im Angebot.

Der im Weissweinfass ausgebaute Whisky, lässt sich am ehesten mit einem schottischen Vertreter der Speyside vergleichen. Eher auf der milden Seite mit Tönen von Vanille und natürlich Eiche. Der Rotwein hingegen, verleiht dem Ganzen eine leicht würzige Note.
Das Rauchmalz, welches in einer Abfüllung zum Einsatz kommt, verleiht dem Whisky einen ganz leicht rauchigen Ton, der allerdings weit entfernt vom Rauch der Islay-Whiskys ist.

Auf eines der Produkte werde ich in einem separaten Beitrag eingehen.

Damit sich ein Produkt Single Malt nennen darf, muss es mindestens 3 Jahre gelagert sein. Die meisten Whiskys aus Baders Brennerei werden mittlerweile mit ca. 6 Jahren und mehr verkauft. Die älteste Abfüllungen, eine Jubiläumsausgabe zum zehnjährigen Bestehen der Destillerie, ist 10 Jahre alt.
Als besonderes „Schmankerl“ kann man sich die Flaschen auch bemalen lassen.

Interview

Wie versprochen, findet ihr untenstehend das Interview mit Ernst Bader. Bitte teilt mir mit, falls ihr das Interview in Zukunft lieber in einem separaten Post wollt.

Wie sind sie dazu gekommen, Single-Malt zu brennen?

Wir haben bereits früher Bier gebraut. Die Leute, die bei uns gearbeitet haben, um Obst ernten , wollten einfach zwischendurch etwas Bier trinken.
Zum Whisky kamen wir folgendermassen: Man machte mich darauf aufmerksam: „Schau du machst einen guten Kirsch und einen guten Williams und wenn du das mit deinem Bier kombinierst,ergibt das einen guten Whisky. So habe ich das auch gemacht, das war am 1. Juli 99. Und da kam dann meine Tochter und brachte mir eine Flasche Whisky und meinte: „Schau irgendeine Ahnung was Whisky ist, solltest du schon haben“.
Aber in der Zwischenzeit verstehe ich schon etwas von Whisky und wenn ich etwas beurteile, sei das Obstschnaps oder Getreideschnapps, schaue ich, ist es sauber gemacht oder nicht.
Über die Aromen und wie er zum Trinken ist, darüber kann man streiten. Sie haben ja gesehen wieviele verschiedene Abfüllungen wir haben. Jeder hat hier etwas was er kaufen kann, aber die Geschmäcker sind verschieden

Aber da war sicherlich ein gewisses Risiko dabei , wenn man Whisky noch nicht kennt, sich aber trotzdem entschliesst einen zu brennen?

Das Wissen war ja vorhanden, eben durch das Bier brauen und das Schnapps brennen und eigentlich war ich schon immer risikofreudig. Irgendwie hat es auf jeden Fall immer geklappt wir hatten nie Verluste. Ich war also nicht irgendwie unter Druck dabei, ich habe es wirklich gemacht weil ich es wollte.

Wie kamen Sie auf die Idee Weiss-und Rotweinfässer zu benutzen?

Das war ganz einfach.
Mein Frau ging drei Flaschen Sherry einkaufen. Wir waren uns aber nicht gewohnt Sherry zu trinken, wir trinken gerne einen guten Rot- oder Weisswein. Das heisst jetzt nicht, dass Sherry nicht gut ist, aber es ist einfach nicht unser Geschmack.
Dann haben wir uns in Frankreich einen Küfer gesucht. Der Küfer lieferte uns die Fässer, die wir wollen. Er will etwas viel dafür, aber ich habe ihm gesagt, dass ich die besten Fässer möchte.
Wenn der Whisky dann 6 oder 7 Jahre darin reift, sind nur die besten Fässer gut genug.

Was fasziniert sie am Brennen?

Schnapps wird bei uns seit Generationen gebrannt und irgendwie hat man das auch selbst mitgegeben bekommen. Das war bei uns so, ich trinke gerne mal ein Bier und zu einem Essen trinke ich gerne einen guten Wein und zwischendurch trinke ich auch gerne einen Fruchtschnapps oder ein Whisky. Aber nicht mehr. Wenn man das so macht, kann man alt werden *lacht*
Wir haben Respekt vor Alkohol, weil wir alle mit Alkohol aufgewachsen sind.

Sind Sie der Meinung, dass lokale Produkte die Aufmerksamkeit erfahren, welche sie verdient haben?

Die Produktion in der Schweiz ist stark rückläufig. Die Schweiz ist halt einfach teuer.

Denken Sie, dass dies der einzige Grund dafür ist, die Qualität würde ja eigentlich stimmen?

Wir versuchen gute Qualität zu bringen, wir probieren Spitzenqualität zu produzieren. Aber es sind nur gewisse Leute, welche gewillt sind soviel dafür zu bezahlen und diese wollen auch Qualität.
Die, die richtige Qualität wollen, kaufen das und bezahlen soviel und diejenigen, welche einfach Alkohol wollen, kaufen halt billige Qualität und wir können nur durch unsere Super Qualität leben und da haben wir eine gute Kundschaft. Wir mussten letzten Herbst wieder beginnen Kirschen zu brennen, weil wir sonst zu wenig Kirsch fürs Weihnachtsgeschäft gehabt hätten.

Exportieren sie eigentlich auch ins Ausland?

Sie haben ja gesehen, wir haben diese 97 Fässern und wir produzieren nicht mehr als wir verkaufen können.
Ich glaube der grösste Teil bleibt in der Schweiz.

Welches Produkt würden Sie jemanden empfehlen, der Ihre Produkte noch nicht kennt?

Das ist schwierig. Ich würde sagen, das ist Geschmackssache. Es gibt Leute, die den milden aus dem amerikaschen Fass mögen, aber wer etwas kräftigeres will, nimmt einen anderen.
Ich kann nicht empfehlen, ich gebe zum probieren. Ich sage immer, ich selbst verkaufe nichts was ich nicht will, darum gebe ich unseren Kunden zum probieren. Dann kaufen Sie den, welchen Sie wollen, dann kommen sie nämlich wieder.

Waren Sie mittlerweile mal in Schottland?

Nein, ich hatte leider noch keine Zeit. Ich habe mal meine Tochter und meinen Schwiergersohn als „Spione“ hin geschickt, aber viel hat es nicht gebracht.
Aber ich will schon mal gehen.

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Spiritissima 2010

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Diese Jahr fand im Papiersaal von Sihlcity die dritte Spiritissima statt. Wieder gab es verschiedenste Spirituosen, Liköre und diesmal sogar Bier (an einem Stand) zu verkosten. Neben Glen Fahrn, welche sicher am präsentesten waren und den Anlass organisierten, fanden sich auch andere Aussteller/Hersteller ein, wie z.b. Diageo, Lateltin oder Davidoff. Wie bereits letztes Jahr machten Whisk(e)ys den Hauptanteil der angebotenen Spirituosen aus. Doch auch Cognac wurde, nachdem letztes Jahr am Abend ein Cognac-Tasting stattfand, präsentiert. Auch Grappa, Spumante/Prosecco und Wodka wurde dieses Jahr mehr Platz zugesprochen.

Ganz neu und in meinen Augen eine sehr gute Idee: Eine “Bar” an der man nichtalkohlische Getränke und kleine Häppchen kaufen konnte. Viele der Aussteller bzw. Mitarbeiter welche die Spirituosen ausschenkten kannte man bereits vom letzten Jahr oder von den Whiskyschiffen Luzern/Zürich.

Das Preisniveau schien mir ungefähr gleich wie letztes mal. Standardabfüllungen kosteten ca. 1-3 CHF pro cl. Schön fand ich, dass mit dem fast gesamten The Bitter Truth Sortiment und weiteren Produkten wie z.b. Antica Formula auch der Barbereich nicht zu kurz kam.

Am Abend fand dann ein Soiréé im Zeichen des Davidoff Cognacs und Grand Khaan Vodka statt. Etwas schade, dass man sich hier auf zwei Marken festlegte (Sponsoring). Da hätte mich das letztjährige Tasting definitiv mehr interessiert.

Fazit: Die entspannte Atmosphäre, der relativ kleine Rahmen der Veranstaltung und natürlich die verkosteten Spiritiuosen machten die Spiritissima auch dieses Jahr zu einem schönen Erlebnis. Verändert hat sich insgesamt wenig, abgsehen von Foodcorner. Es waren mehr Hersteller dabei, welche eigene Stände hatten und einzelne Produkte wurden mehr ins Zentrum gerückt. Als Beispiel sei hier der Grand Khaan Vodka genannt, welcher auch auf den Werbeplakate der Spirtissima zu finden war. Es gab aber auch weitere Produkte, die so auffielen: Davidoff, Bepin de Eto (Spumante). Ob man das jetzt gut findet oder nicht, muss man selber entscheiden.

Zum Schluss möchte ich euch drei tolle Produkte kurz vorstellen:

Banff 21y (Rare Malts)

Auf diesen Speyside Malt bin ich per Zufall gestossen, als ich beim Raritätenstand herumstöberte und überrascht war von dieser Flasche, da ich bisher noch nie was von dieser Destillerie gehörte habe. Das liegt vielleicht, dass die Destillerie seit über 20 Jahren geschlossen ist. Schade, denn der Malt hat mich überzeugt. Ausprägte Zitrusnoten machen diesen Malt zu etwas sehr Interessanten. Daneben finden sich auch Ideen von Butterkeksen und Vanille, sowie Getreide.

Willet Rye 24y

Auch das ist ein Produkt, welches nur noch sehr schwer und teuer (360-395 CHF, das letzte Fass) zu erstehen ist. Der Rye kommt mit unglaublichen 69.4% daher, welche man aber überhaupt nicht merkt. Absolut toller Rye Whisky, aber leider unglaublich teuer.

St. Etienne Blanc Agricole Vintage 2000

Den St. Etienne XO habe ich euch bereits das letzte Jahr kurz vorgestellt. Dieses Jahr ist nun der weisse Rum dieses Herstellers aus Martinique an der Reihe. Das Produkt reift vier Jahre und kommt mit 50% daher. Wem Blue Bay zu “kompostig” ist, der findet hier meiner Meinung nach ein interessantes Produkt, welches man zwar definitiv als Agricole Rhum erkennt, aber, welches nicht in die, zumindest für mich, beinahe schon unangenehmen Geschmacksgefilde von Blue Bay Rum vorstösst.

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Blamage für schottischen Whisky

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So oder ähnlich klang es heute in vielen Zeitungen bzw. deren Onlineportalen.
Doch worum geht es dabei überhaupt?

In Schottland wurde kürzlich ein Blindtasting mit 4 schottischen/englischen und einem taiwanesischen Whisky durchgeführt und wie der zugegebenermassen sehr reisserische Titel vermuten lässt, schnitt der taiwanesische Whisky mit dem Namen “Kavalan” am Besten ab.  Soweit, so gut, in meinen Augen ist das Ergebnis nämlich nur halb so wild wie von den meisten Medien kolportiert wird. Einige gingen sogar soweit, den Kavalan kurz zum besten Whisky zu küren.

Wer jetzt im Testfeld irgendwelche grosse Single Malts oder bekannte Blends vermutet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden (ich zumindest war es):

  • Langs Supreme 5y (Blend)
  • King Robert 3y (Blend)
  • St George’s English malt (Single Malt)
  • Bruichladdich 4x+3 3y (Single Malt*)
  • Kalavan 2y

* mit vierfacher Destillation (bis auf 90%), kein typischer Vertreter schottischer Whiskys.

Dieser Vergleich und das daraus von den Medien gezogene Fazit finde ich aufgrund mehrer Tatsachen etwas problematisch.

1. Single Malts/Blends

Man sollte sich schon fragen, ob es tatsächlich Sinn macht Blends und Single Malts in einer Verkostung zu vergleichen.
In meinen Augen tut es das nicht.  Erstens enthält ein Blend Whiskys aus verschiedenen Destillieren (plus evtl. Grain Whisky). Durch dieses Mischen sind Blends wohl auch etwas zugänglicher als Single Malts (als extreme Beispiele seien verschiedene Vertreter Islays genannt)

2. 3 Jahre sind nicht gleich 3 Jahre

Wie bereits die Times bemerkt (übrigens ein schöner Bericht) entspricht ein 3 jährige Whisky aus wärmeren Gefilden, wozu Taiwan sicherlich gehört keineswegs dem gleichaltrigen Pendant aus Schottland. In Schottland reift Whisky klimabedingt langsamer als in Taiwan. Das heisst der zweijährige Whisky aus Taiwan ist reifer als ein dreijähriger Whisky aus Schottland, was sich natürlich auch im Geschmack niederschlägt.

3. Das Testfeld

Die Medien haben sich grösstenteils nicht die Mühe gemacht, das ganze Tasting mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, ansonsten hätten sie wohl gemerkt, dass die getesteten schottischen Whiskies keineswegs Schottland repräsentieren. Vielmehr wurden ähnlich alte, bzw. in diesem Fall sehr junge, Whiskies verkostet. Hier von einer Blamage für schottische Whiskies zu sprechen, ist doch mehr als tendenziös und zeigt, dass man sich überhaupt nicht mit dem Thema auseinandergesetzt und einfach eine toll klingende Schlagzeile übernommen hat.

4. Subjektivität

Genuss von Whisky ist immer höchst subjektiv. Für einige ist Torf die Offenbahrung, für andere ein Brechmittel. Einige mögen fruchtige Whiskies, andere nicht und so weiter.

Kurz, hier wurde ein eigentlich relativ unspektakuläres Tasting aufgebauscht, hauptsache es klingt toll.
Was nicht heissen soll, dass der taiwanesische Whisky schlecht ist (ich kenne ihn nicht), nur dass es eben nicht die gross herausposaunte Blamage für Schottland ist.

Zum Schluss noch der Bericht der taz http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/schottischer-whisky/ (da sich der Beitrag im Satireteil befindet, gehe ich davon aus, dass es sich auch um solche handelt)

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The Glenrothes Select Reserve

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Die Geschichte

Die Glenrothes Destillerie befindet sich in der sogenannten Speyside in der Ortschaft Rothes. Als zweite Destillerie, nach Glen Grant, wurde die Destillerie 1878 von James Stuart & Co. erbaut. Am 28. Dezember 1879 wurde der erste Whisky produziert, genau am selben Tag, an welchem Tay Bridge Disaster passiert, bei dem eine Zugbrücke einstürzte und dabei alle 75 Passagiere eines Zuges in den Tod riss.
Als man 1897 dabei war zwei weitere Pot-Stills zu installieren, brach ein Feuer aus, welches die Destillerie schwer beschädigte. Leider blieb  es nicht bei diesem einen Zwischenfall, den 1922 zerstörte ein weiteres Feuer 900000 Liter Whisky im Lagerhaus Nr1. Der grösste Teil dieses Whisky floss in den Burn of Rothes, welcher direkt durch die Ortschaft fliesst. 1923 wurde der Blend Cutty Sark von Berry Brothers, den Besitzern von Glenrothes auf den Markt gebracht. Abgesehen von Cutty Sark findet Glenrothes auch Verwendung in Famous Grouse, J&B, Dewars und Chivas Regal.
Im Laufe der Jahre stieg die Nachfrage nach Glenrothes immer weiter, so dass man immer mehr Potstills hinzufügte. Heute finden sich in der Destillerie ganze 10 dieser Potstills.

Erst 1989 wurde mit der 12 jährigen Abfüllung ein eigner Single Malt produziert und das von Glenrothes bekannte Vintage-Konzept (siehe unten) kam sogar erst 1994 auf den Markt.

Die Produktion

Glenrothes verkauft seine Produkte primär als Vintage-Produkte. Das heisst, man wählt die besten Fässer eines Jahrgangs aus und füllt diese ab. Im Unterschied dazu füllen viele andere Destillieren ihre Whisky’s nach Alter und nicht nach Jahrgang aus.
Der Whisky reift sowohl in Bourbon- als auch in Sherryfässern (Oloroso Sherry), was ihm neben fruchtigen Noten auch eine gewisse Würze gibt.
Das Malz stammt grösstenteils aus der Tamdhu Destillerie, welches nur wenige Kilometer südwestlich von Rothes befindet.
Glenrothes verwendet hohe Potstills und destilliert sehr langsam, schlussendlich resultiert daraus ein ca. 70%iger Brand, der in die Fässer abgefüllt wird.

Der Whisky

Ich stelle euch heute den sogenannte Select Reserve vor, ebenfalls ohne Jahrgangsangabe, aber kein Vintage-Whisky. Auch dieser Whisky wurde in Bourbon- sowie Sherryfässern gereift und kommt in der Glenrothes-typischen Flasche daher.

Glenrothes Select Reserve

Tastingnotizen
Nase Butterkekse, leicht holzig, Vanille, Frucht (Birne), Stroh
Gaumen wieder Kekse, fruchtig, leichte Würze, Getreide, leichte Schärfe
Abgang Orangen, Nuss, leicht bitter

Ein sehr solider Vertreter der Speyside. Insbesondere die vom Sherryfass herrührende Würze hat es mir angetan, da sie wunderbar mit der Frucht und dem Keks bzw. dem Getreideähnlichem Geschmack harmonieren. Der Preis ist mit ca. 75 CHF aber nicht ganz günstig. Wer hier Rauch oder Torf sucht, ist definitiv am falschen Ort (wie fast überall in der Speyside). Wer aber nach einem Vertreter der Speyside sucht, kann hier zuschlagen.

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Schottlandreise 4/8 (Whisky Vorstellung)

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Heute möchte ich euch den Aberlour Sherry Matured Single Cask vorstellen. Diesen Whisky kann nur direkt in der Aberlour Distellerie im Warehouse n1 gekauft beziehungsweise selber abgefüllt werden. Das heisst vom abfüllen in die Flasche bis zum Etikettieren kann alles selbst erledigt werden. Der  ganze Spass kostet aber auch genug, genauer 60 Pfund, was mit Kartengebühren 102 CHF beträgt.

Die Destillerie habe ich ja bereits in Teil 2 des Schottlandspecials vorgestellt, kommen wir also direkt zum Whisky (daher auch ein relativ kurzer Post)

Der Aberlour reifte 15 Jahre im Sherryfass und wurde mit 56.3%  vom Fass 6041 abgefüllt. Er kommt in einer schicken Holzverpackung daher.

Die Farbe ist ein dunkles rot-braun.
Bereits in der Nase macht sich ein intensiver Duft nach Sherry-Fass bemerkbar, begleitet von leichten, trockenen Holztönen. Auch etwas Karamel ist dabei.
Am Gaumen merkt man die 56.3% definitiv, der Whisky ist unverdünnt relativ scharf und ein paar Tropfen Wasser wirken hier Wunder und runden den Geschmack schön ab. Auch hier macht sich eine gewisse Trockenheit bemerkbar, ebenso eine leichte Frucht, sowie (wieder) der intensive Sherry-Geschmack. Gegen Ende ganz leichter Rauch.
Der Abgang ist sehr lang, irgendwie leicht bitter, wiederum trocken und leicht nach Getreide schmeckend. Sehr schön!

Insgesamt ein schönes Produkt von Aberlour. Der Geschmack ist relativ komplex wie ich finde, da sind noch einige Geschmacksnoten, welche ich bisher nicht benennen konnte. Um das Produkt zu ergattern, muss man zwangsläufig eine Reise nach Schottland unternehmen, was aber auch nicht wirklich traurig ist :)

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  • Author: Michael
  • Published: Jun 5th, 2009
  • Category: Events
  • Comments: 3

Schottlandreise 3/8

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So, nachdem ich mich wieder erhohlt habe vom C&D Community-Treff, geht es hier auch wieder weiter :)

Und zwar mit einem Bericht über die Benriach Destillerie, einer eher kleinen Destillerie, welche sich wie Aberlour in der Speyside befindet. Genauer zwischen Charleston-of-Aberlour und Elgin.

Gegründet wurde Benriach 1898 von der Familie Grant (einige Quellen nennen einen gewissen John Duff).
Doch bereits 1900 musste die Destillerie aufgrund des sogenannten Pattisson-Crash wieder schliessen.

Die Gebrüder Pattison waren zu dieser Zeit die grössten Abnehmer von Whisky und sie waren Teilhaber von Oban, Glenfarclas und einigen anderen Brennereien. Ihr ganzes Vermögen baute allerdings auf fast komplett auf Krediten auf. Zwar war dieses Risiko einigen Leuten bekannt, doch interessierte es niemanden, die Aussichten auf noch mehr Reichtum waren zu verlockend. In den 1890er Jahren wurden über 30 Destillerien in der Speyside erbaut, es wurde im Überfluss produziert. 1898 folgte der Crash, viele Destillerien mussten in Folge dessen schliessen, darunter auch Benriach. (weitergehende Informationen zum Pattison-Crash findet ihr bei der Scotch Malt Whisky Society)

Es dauerte bis 1965 bis Benriach von Glenlivet Distillers Ltd wieder eröffnet und aufgebaut wurde. 1978  ging Benriach in den Besitz von Seagrams über.

Ab 1983 produzierte Benriach einen stark getorften Malt, da Seagrams keinen Islay Malt in ihrem Portofolio hatten, aber einen getorften Whisky für ihren Blend benötigten.

Nach über 100 Jahren wurden 1999 die Mälzerei geschlossen. Sie ist allerdings immer noch intakt und anscheinend plant man, sie wieder zu reaktivieren. Zumindest war dies die Aussage unseres Führers.

Nachdem 2001 Pernot Ricard Seagrams übernahm, dauerte es nur gerade ein knappes Jahr bis Benriach erneut geschlossen wurde. Erst im Jahr 2004 wurde sie von einen unabhängigen Konsortium bestehend aus drei Partnern, Billy Walker,  Geoff Bell und Wayne Keiswetter (beide aus Südafrika) und ist bis heute unabhängig.

Der Besuch

Das Portfolio von Benriach ist zum umfangreich um es hier vorzustellen, deshalb verlinke ich auf deren Homepage.

Wir haben die Brennerei am selben Tag wie Aberlour besucht. Allerdings hatten wir uns hier bereits telefonisch angemeldet. Was eigentlich Pflicht ist, denn Benriach bietet keine offiziellen Führungen an. Deshalb konnten wir die Destillerie erst nach Arbeitsschluss  besichtigen.

Die Destillerie ist weitgehend nicht computerisiert und wird trotzdem nur von wenigen Leuten bewirtschaftet. Gemäss Stuart (verzeih mir, wenn dies nicht der richtige Name ist, ich bin mir nicht mehr sicher ;) ), unserem Guide, ist eine Person für das Brennen, das Maischen und die Gärung zuständig.

Im Gegensatz zu Aberlour war es hier kein Problem überall und alles zu fotographieren.


Maischbottich bei Benriach

Gär-Tanks

Benriach besitzt zwei Spirit-Stills und zwei Wash-Stills

Spiritsafe

Nachdem wir die Brennerei besichtigt und etwas Feinbrand verkostet hatten (unser Guide natürlich auch, war ja schliesslich Arbeitsschluss), ging es weiter zum Warehouse.

Warehouse

Hier konnten wir noch verschiedene Whiskys verkosten. Zum einen ein Whisky, welcher erst drei Jahre im Bourbonfass lag, aber schon erstaunlich mild war, weiters eine Whisky mit Portwein-Finish, sowie einen ca. 30 Jährigen ebenfalls aus dem Bourbonfass.

Zum Schluss besuchten wir noch das “Besucherzentrum” und verkosteten dort noch einige Abfüllungen. Bereits zum zweiten Mal war ich froh, dass ich nicht fahren musste ;)

Doch wie war eigentlich die Führung?
Mit einem Wort: Genial!

Im Gegensatz zu Aberlour oder der dritten Destillerie, welche ich noch vorstellen werde, merkte mann, dass es hier nicht so touristisch war. Die ganze Brennerei wirkte, wie soll ich sagen, authentisch und sympathisch, da wurde nichts für Touristen hergerichtet, es ist einfach eine Brennerei, die man besichtigen kann. Stuarts Erklärungen waren fantastisch, auch wenn man sich sehr konzentrieren musste, um ihm zu folgen. Die Verkosten sehr umfangreich und der ganze Spass hätte nichts gekostet!

Als wir Stuart 20 Pfund für die Führung anboten (das war sie definitiv wert), lehnte er zuerst ab, aber nach etwas Überzeugungsarbeit, nahm er sie an und meinte, dass er sie einem Mitarbeiter gäbe der immer einem sozialen Hilfswerk Geld spendete. Unheimlich sympathisch.

Kurz: Wer die Speyside besucht und an Whisky interessiert ist, sollte den Besuch bei Benriach einplanen. Es lohnt sich!

Zu den Whiskys kann ich leider (noch) nichts sagen, da ich mir keine Notizen machte. Wenn mich mein werter Mitreisender aber lässt ;) , werde ich bei ihm mal den 21 jährigen peated Benriach verkosten und berichten.



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Schottlandreise 2/8

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Wie versprochen, möchte ich euch heute zwei Speyside-Destillerien und deren Whisky vorstellen.

Bei der ersten Destillerie handelt es sich um Aberlour, welche sich im Städtchen Charleston-of-Aberlour mitten in der Speyside befindet. Aberlour ist vor allem in Frankreich eine sehr starke Marke.

Gegründet wurde Aberlour 1826 von James Gordon und Peter Weir gegründet. 1879 wurde die Destillerie durch ein Feuer zerstört und wieder aufgebaut (nicht an derselben Stelle). Bereits 1898 wurde ein Grossteil der Brennerei und der Whiskyvorräte durch ein weiteres Feuer, welches durch eine Explosion in der Mühle ausgelöst wurde, nochmals zerstört.

Aberlour mälzt, wie viele Destillieren, nicht selber, sondern kauft ihr Malz von industriellen Betrieben.

Neben der 10 jährigen Abfüllung, welche in Bourbon -und Sherryfässern reift, bietet Aberlour einen 15 jährigen Single Malt an, welcher zusätzlich ein Sherryfinish erhalten hat. Desweitern befindet sich mit a’bunadh ein Whisky im Portfolio welcher exklusiv in Sherryfässern reifte. Weitere Abfüllungen sind für den Duty Free oder exklusiv für Frankreich bestimmt.

Wir hatten Glück, den als wir bei der Destillerie ankamen, fuhr gerade ein Bus mit einer deutsch/schweizerischen Gruppe vor, der wir uns anschliessen durften. Kostenpunkt für die gesamte, beinahe 2 Stunden dauernde Führung: 10 Pfund. Inklusive ist dabei ein umfangreiches Tasting am Schluss der Führung.

Ich kann euch leider nicht viele Bilder der Destillerie bieten, da fotografieren aus Sicherheitsgründen verboten war. Naja…

Die Führung an und für sich war gut. Man merkte allerdings, dass sie eindeutig auf Touristen aufgelegt war, will heissen, in den anderen beiden Destillieren, welche wir besuchten, erfuhren wir mehr von der Materie und Technik. Unterhaltsam und spannend war es aber trotzdem, was nicht zuletzt an unserem Guide (einem gebürtigen Engländer) lag. Der mit viel Witz und Charme (klar war vieles einstudiert) durch die Destillerie führte.
Man konnte eine Blick in die Maischbottiche werfen, die Würze probieren, sowie eine Nase voll aus den Gärbottichen nehmen, was unser Guide wohl besonders witzig fand. Haltet die Nase nie zu tief rein, es ist zwar witzig zu beobachten, wie es andere tun, aber tut es selber nicht. Der Geruch ist so agressiv, man hatte für einen Moment das Gefühl, dass man sich jetzt jegliches Gewebe in der Nase weggeätzt hat.

Ein Foto von den Potstills konnte ich dann trotzdem noch knippsen (von aussen)

Nach der eigentlich Besichtung ging es dann zum wohlverdienten Tasting im Warehouse n1.
Dort erwarteten uns jeweils sechs bereitgestellte Gläser, gefüllt mit den verschiedenen Abfüllungen von Aberlour (plus eines mit dem Feinbrand).
Zum Glück war ich heute nicht der Fahrer :)

Ich muss leider gestehen, ich weiss nicht mehr bei allen Glästern, um welche Abfüllungen es sich jeweils gehandelt hat.

Den 10 jährigen kannte ich bereits und bisher empfand ich ihn als relativ langweiliges, harmloses Produkt. Dies änderte sich auch nicht mit diesem Tasting. Irgendwie ist mir dieser Whisky zu belanglos oder meine Nase ist einfach (noch) zu unausgebildet.

Ganz anders allerdings Aberlour a’bunadh: Beim Single Malt Tasting, welches im C&D Forum veranstaltet wurde, platzierte er sich in meiner Liste noch im Mittelfeld mit 6/10 Punkten. Nun, das wäre heute nicht mehr der Fall. Dieses Hammerprodukt hat mehr verdient. Eine richtig schöne Sherrybombe!

Es ist immer wieder interessant wie sich der Geschmack im Laufe der Zeit verändert, oder wie sich die Stimmung, die Umgebung etc., auf den Geschmack auswirkt. Der 15 jährige Aberlour schlug dann die Brücke zwischen dem zehnjährigen und dem a’bunadh. Nicht schlecht, aber keine Chance gegen a’bunadh.

Zum Schluss konnte man sich für 60 Pfund eine eigene Single Cask/Cask Strength Flasche abfüllen. Zur Wahl standen sowohl ein Bourbon, als auch ein Sherryfass. Diesen Whisky kann man gemäss unserem Guide nur hier kaufen und sonst nirgends auf der Welt. Meine Wahl fiel auf den Whisky aus dem Sherryfass.

Das Abfüllen hat auf jeden Fall Spass gemacht.

Obwohl man diesen Whisky so nicht kaufen kann, werde ich ihn im Laufe dieses Schottlandspecials vorstellen.
Denn wer weiss, vielleicht verschlägt es den einen oder anderen Leser auch mal in die Speyside.

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Schottlandreise 1/8

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Inhaltsverzeichnis:

So, hier auf mija.ch gehts endlich weiter mit dem Blog.

Und zwar mit einem sieben teiligen Bericht über meine Schottlandrundreise. Neben der eigentlichen Reise werden auch drei Destillerien sowie drei Single Malts vorgestellt.

Teil 1: Tag 1 -3

Tag 1

Da wir mit unserem Auto reisten, dauerte die Reise auch etwas länger. Schliesslich mussten wir zuerst bis nach Amsterdam fahren, was ca. 900 km sind und dann per Fähre nach Newcastle upon Tyne. Dummerweise liegt Newcastle relativ südlich (und noch in England), somit mussten wir auch hier noch eine Kilometer abstottern, bis wir endlich Schottland erreichten.

Gestartet waren wir mitten in der Nacht vom Sonntag auf den Montag in der Hoffnung zumindest den gröbsten Berufsverkehr zu umgehen. Hat auch wunderbar geklappt, bis wir die holländische Grenze erreichten. Von da an, ca. 150km gings nur sehr schleppend voran und wir benötigten drei Stunden bis nach Amsterdam. Sehr nett, nach beinahe 24 Stunden ohne Schlaf, auch noch Stau.

Aber irgendwann war auch das vorbei und wir erreichten Amsterdam IJmuiden, wo unser Schiff, die “Princess of Norway” bereits auf uns wartete, leider aber noch nicht betret- oder befahrbar.

Princess of Norway

Also vertrieben wir uns die Zeit in einem nahegelegenen Restaurant. Sehr witzig der Blick der Kellnerin, als wir sehr bestimmt erklärt hatten, dass wir sicherlich kein Heineken wollten. Also empfahl sie uns ein dunkles Bier. Naja, schlussendlich war dieses dunkle Bier, einfach Heineken mit Farbstoff und massig Zucker.

Das Schiff selber war ganz unterhaltsam. Es gab ein Casino, ein Nachtclub etc. Die Bars auf dem Schiff sind eigentlich nicht der Rede wert und es ist jeweils empfehlenswert Whisky oder Bier zu ordern.
Ziemlich früh und totmüde fielen wir dann auch mal in die Betten bzw. die Bretter mit Matrazen drauf.

Irgendwann war dann auch diese Nacht zu Ende und wir erreichten Newcastle, und wie könnte es anders sein: Es hatte geregnet. Die Passkontrollen, sowohl in Amsterdam, als auch in Newcastle, verstehe ich bis heute nicht. Ich dachte Schengen/Dublin sei überall umgesetzt.

Tag 2

Unsere Reise führte uns der Küste nach, über Edinbourgh in das kleine Städtchen Crieff, wo wir unsere ersten Bed & Breakfast Erfahrung sammeln konnte. Verlangt in der Touristeninfo einfach nach den entsprechenden Katalogen und organisiert euren Aufenthalt selber, denn falls das Touristikbüro die Buchung übernimmt, kostet dies 4 Euros plus 10% des eigentlichen Preises. Nachdem wir unsere Unterkunft (30 Euros pro Person) bezogen hatten, mussten wir, als die guten Touristen, die wir waren, unbedingt noch den nächstgelegenen See besuchen und Fotos machen ;)

Von Crieff selbst sahen wir wenig. Am Abend zogen wir zwar etwas durch die Pubs und waren dabei angenehm überrascht von den Preisen. Das schwache Pfund merkt man deutlich oder um es anders zu formulieren: Hätte das Pfund noch seinen ursprünglichen Wert, wäre Schottland unverschämt teuer und das Preis/Leistungsverhältnis jenseits von Gut und Böse.

Bereits hier an unserem ersten Ort lernten wir die vielbesungene schottische Gastfreundschaft kennen. Einmal gestartet, wollte unser Gastvater gar nicht mehr aufhören mit guten Tipps und sonstigen Geschichten.

Auf der anderen Seite lernten wir allerdings auch die schottische Interpretation von Gastfreundschaft in der Gastronomie kennen. Die meisten Angestellten in Pubs waren im besten Fall desinteressiert und im schlimmsten Fall völlg angepisst. Dies war nicht nur in Crieff so, sondern in sehr vielen Pubs und zum Teil auch in Restaurants.

Tag 3

Am dritten Tag ging es dann endlich ins Single Malt Mekka, die Speyside. Unser Gastvater empfahl uns die Route über die sogenannten Cairngorms (wonach übrigens auch eine Brauerei benannt ist, die vorzügliches Ale herstellt), was wir natürlich taten und es nicht bereuten. Die Route war zwar länger als die Reguläre, aber die Landschaft hat uns dafür mehr als entschädigt. Sogar Skilifte gab es hier, auch wenn man als Schweizer etwas über die Grösse schmunzeln musste.

Am späteren Nachmittag kamen wir dann endlich an unserem Ziel Grantown-on-Spey an. Endlich in der Speyside ;)
Grantown ist ein typisches Südschottisches Städtchen, mit all seinem Charme. Unbedingt empfehlenswert ist das Restaurant im Garth Hotel. Abgesehen von einer schönen Single Malt Auswahl schmeckt auch das Essen vorzüglich, auch wenn man selbst hier Gemüse nur als lästige Beilage ansieht. Sprich, einfach ins Wasser geknallt; Fertig. Dafür schmeckt das Haggis (unser erstes) umso besser. Lasst euch nicht von den Zutaten abschrecken oder noch besser, informiert euch gar nicht was drin ist ;)

Das wars fürs erste.

Morgen werde ich euch zwei Destillieren vorstellen.

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The Dalmore 12y

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Heute möchte ich euch den Dalmore 12y einen schottischen Single Malt aus den Highlands vorstellen. Dalmore wird in der Nähe von Aleness etwas nördlich von Iverness hersgestellt und die Destillerie wurde ca. 1839 von Alexander Matheson gegründet. Seit 2007 befindet sie sich im Besitz von United Spirits Limited.

Das Symbol von Dalmore, der Hirsch (Stag), ein Zwölfender, basiert auf auf einer Legende, nach der im Jahre 1263 ein Vorfahre des McKenzie Clans König Alexander III mit einem einzigen Pfeil vor einem Hirsch gerettet hat. Dankbar gewährte der König dem Vorfahr das Recht fortan einen Hirschkopf auf seinen Waffenröcken zu tragen. Da sich die Destillerie lange im Besitz des McKenzie Clans befand, übernahm man dieses Symbol auch für den Whisky.

Doch nun zum Produkt:
The Dalmore 12yWährend frühere Ausführungen des Dalmore 12y 70% in amerikanischen Eichenfässern und 30% in Oloroso Sherry Fässern lagerte, beträgt der heutige Anteil 50/50.

Der Dalmore kommt in einer schicken schwarzen Kartonverpackung, welche neben dem Whisky auch eine kleine, schön aufgemachte Broschüre mit den anderen Produkten von Dalmore enthält.

Die Farbe des Whisky kann man am ehesten als Mahagonifarben bezeichnen (leicht rötlich).
In der Nase fällt sofort der Duft von Wiese/Gras auf, welchem bald subtile Noten von Honig und Vanille folgen, sowie eine leicht fruchtige Note. Wer hier Torf oder Rauch sucht, ist definitiv am falschen Ort.

Der angenehme Duft nach Gras findet sich dann auch am Gaumen wieder. Doch hier gesellt sich noch der Geschmack von Bittterorangen dazu, welcher mich an Cointreau erinnert. Natürlich wird die Intensität dieses Likörs bei weitem nicht erreicht, was auch sehr verwunderlich wäre, trotzdem war dies die erste Assozation welche mir beim Trinken in den Sinn kam. Hinzukommt, wie in der Nase, wieder ein schöner Honiggeschmack.

Den Abgang finde ich relativ unspektakulär, bleibt aber noch lange in Form von Getreide und Malz im Mund hängen. Ich bin der Meinung ganz leichte (Betoung auf “ganz leicht”) Rauchtöne zu schmecken.

Ich finde den Dalmore 12y eine tolles Produkt.
Sicherlich kein Charakterkopf wie z.b. Laphroaig 10y, aber es muss auch nicht immer ein Torf/Rauch Monster von Islay sein. Gerade der nach Wiese/Gras duftende Charakter gefällt mir.

In meinen Augen auch empfehlenswert für jemanden der den Einstieg in die Welt der (schottischen) Single Malts versucht.

Zu beziehen gibt’s diesen Tropfen für ca. 66 CHF bei Glen Fahrn oder schuewo.ch. Wer in Winterthur wohnt, kann auch beim Traité an der Stadthausstrasse vorbeischauen. Allerdings kenne ich hier den Preis nicht.

So, das war’s mit der ersten Produktvorstellung. Ich hoffe ihr hattet Spass und auf baldiges “wiederlesen”!

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